Wozu braucht der Körper Wasser?

 Wenn wir nicht trinken verdursten wir, das ist jedem klar.

Ja ok, ein paar exotische Ausnahmen wie den Yogi Prahlad Jani gibt es schon, der angeblich seit 70 Jahren weder Wasser noch Nahrung zu sich genommen hat; aber das sollte man lieber nicht zu Hause nachmachen. 😉

Wasser liefert uns zwar keine Kalorien und damit keine Energie, ist allerdings essentiell für die Vorgänge in unserem Körper. Je nach Alter, Geschlecht und Konstitution besteht der menschliche Körper zu 50-70% aus Wasser. Wasser dient in erster Linie als Transportmittel für Nährstoffe, Enzyme, Hormone und andere Botenstoffe. Ohne Wasser könnte unser Blut nicht fließen und unsere Körperzellen hätten keinen Zugang zu den Stoffen, die sie bräuchten. Aber auch in anderen Bereichen ist unser Körper auf Wasser angewiesen, zum Beispiel während der Verdauung. Wasser bewirkt, dass unser Speisebrei nicht trocken und zäh ist, sondern weich und dadurch gut durch den Darm transportiert werden kann.

Zudem quillt mit Wasser unser Speisebrei auf (sofern wir ballaststoffhältige Speisen zu uns nehmen und nicht nur Wurstsemmeln) und signalisiert unserem Körper, dass wir satt sind. Wasser spielt zudem eine wichtige Rolle bei biochemischen Stoffwechselreaktionen, bei denen Stoffwechselprodukte auf- oder abgebaut werden. Und last but not least brauchen wir Wasser um Schweiß zu produzieren, der unseren Körper nach gequälten 20 Minuten Joggen wieder abkühlt.

Wie viel sollten wir trinken?

 Tippt man diese Frage bei google ein, bekommt man sehr unterschiedliche Antworten. Von 1,5 Litern bis 5 Litern ist alles dabei. Tatsächlich muss die Menge, die getrunken werden sollte sehr individuell betrachtet werden, denn der Körper gibt in unterschiedlichen Situationen unterschiedlich viel Wasser ab.

Grundsätzlich kann der Körper Wasser selber herstellen, aber leider nur in einem sehr geringen Ausmaß. Täglich fallen etwa 300ml Wasser an, aus der Verbrennung von Glucose (Traubenzucker) und Fettsäuren. Zusätzlich nehmen wir etwa 700ml Flüssigkeit durch unsere Nahrung auf, denn auch in Obst, Gemüse, Soßen, Suppen, etc. ist Wasser enthalten. Unter Normalbedingungen verbraucht der Körper etwa 2,5 Liter Wasser am Tag. Rechnen wir nun das selbst produzierte Wasser weg sowie das Wasser, das wir aus der Nahrung gewinnen bleiben noch 1,5 Liter, die wir über Getränke zu uns nehmen müssen.

Eineinhalb Liter sind also das Minimum, welches wir an Flüssigkeit zu uns nehmen sollten. Je nach Situation kann sich diese Empfehlung erhöhen.

Erhöhter Flüssigkeitsbedarf …

  • …beim Sport (v.a. schweißtreibender Ausdauersport)
  • …in heißem Klima
  • …bei Fieber
  • …bei Durchfall und/oder Erbrechen
  • …für Säuglinge und ältere Menschen
  • …bei erhöhter Kochsalz- oder Eiweißzufuhr

Die empfohlene Flüssigkeitsmenge sollte über Wasser, Mineralwasser, ungesüßte Kräuter- und Früchtetees sowie stark verdünnte Fruchtsäfte abgedeckt werden. Ungeeignet sind stark zuckerhältige Getränke wie Limonaden, Cola, Eistee oder unverdünnte Fruchtsäfte (ja, auch die enthalten sehr viel Zucker). Sie decken natürlich auch den Flüssigkeitsbedarf – ABER – begünstigen Karies und Übergewicht und schicken den Blutzuckerspiegel auf Achterbahnfahrt.

In die Flüssigkeitsbilanz wird Alkohol nicht miteinbezogen, da Alkohol dem Körper Wasser entzieht. Jeder der mal einen richtigen Kater hatte weiß das nur allzu gut! Auch Milch wird nicht in die Flüssigkeitsbilanz miteinbezogen, da sie Energie in Form von Laktose (Milchzucker) und gesättigten Fettsäuren liefert.

Kann ich zu viel oder zu wenig Wasser trinken?

Viele Menschen haben eher das Problem, dass sie zu wenig als zu viel trinken. Die Ursachen dafür sind vielfältig, z.B. Stress in der Arbeit, keine ausreichenden Pausen oder auch das Alter. Bei Senioren ist oftmals das Durstgefühl vermindert, der Bedarf an Flüssigkeit jedoch gleich. Die Messsysteme unseres Körpers sind sehr präzise, schon ab einem Verlust von 0,5% der Körperflüssigkeit meldet sich der Durst zu Wort. Mit dem Auftreten von Durst kann es gleichzeitig zu Konzentrationsschwierigkeiten, Schwindel oder Kopfschmerzen kommen.
Lässt man dies unbeachtet, und der Flüssigkeitsverlust im Körper erreicht 12-15%, kommt es zu Kreislaufschwäche, Verwirrtheit, Koma.

Durch das fehlende Wasser verdickt sich unser Blut und kann nicht mehr ausreichend Sauerstoff zu unserem Gehirn transportieren.

Achten Sie also darauf, ob Sie vor der nächsten Kopfschmerztablette vielleicht nicht vorher zum Wasserglas greifen sollten.

Obwohl uns Ärzte und Experten oft dazu raten „viel zu trinken“, kann eine zu hohe Flüssigkeitszufuhr ebenso schädlich für den Körper sein, wie ein Flüssigkeitsmangel. Wird „über den Durst getrunken“ verdünnen sich die Mineralstoffe im Blut (vor allem Natrium) und werden dann mit dem Urin ausgeschieden. Der Mineralstoffhaushalt gerät durcheinander und kann im Extremfall sogar tödlich verlaufen mit einer sogenannten „Wasservergiftung“.

Solche Fälle findet man vor allem im Bereich des Ausdauersportes, z.B. bei Marathonläufen. Die Sportler schwitzen sehr viel und nehmen oftmals (aus Angst vor Dehydratation) zu viel Wasser zu sich. Den Elektrolythaushalt über Mineralwässer zu decken ist nicht ganz optimal. Der Großteil der Mineralstoffe wird über die Nahrung aufgenommen und liegt dort in einer besser verwertbaren Form vor, als im Mineralwasser. 

Wasser-Trink-Mythen

Mythos 1: Zu den Mahlzeiten sollst du nichts trinken, das verdünnt die Magensäure!

Dieser Mythos hält sich seit Generationen. Sehr viele Menschen sind verunsichert ob sie zum oder unmittelbar nach dem Essen zum Trinken greifen dürfen.
Seien Sie gewiss: Ihr persönliches Durstempfinden ist dabei das beste Messinstrument. Haben Sie Durst, trinken Sie etwas!

Im leeren Magen liegt der pH-Wert der Magensäure bei etwa 1. Diese ist somit eine Million Mal saurer als Wasser, welches einen pH-Wert von 7 hat. Gelangt nun Nahrung in den Magen, verdünnt sich die Magensäure auf einen pH-Wert von
ca. 2-4. Das ist immer noch sauer genug, um mit Speisen aller Art fertig zu werden. Um Magensäure unwirksam zu machen, müsste man schon unglaublich viel Wasser trinken. Zudem bedient sich unser Körper eines zusätzlichen Tricks.
Die Säureproduktion des Magens kann je nach Bedarf gesteigert oder gedrosselt werden. Das funktioniert während dem Essen genauso gut wie beim bloßen Anblick von Essen.

Mythos 2: Kaffee-trinken entwässert den Körper!

 Lange hieß es Kaffeetrinken ist schlecht, da es dem Körper Wasser entzieht.
Jede Tasse Kaffee musste man daher konsequent mit einem Glas Wasser nachspülen. Das Glas Wasser „danach“ schadet zwar nicht, da viele Menschen wirklich zu wenig trinken, aber man kann es sich auch sparen.

Neuere Untersuchungen zeigen, dass die Angst vor der entwässernden Wirkung des Kaffees übertrieben ist. Kaffee kann genauso wie jedes andere Getränk zur Flüssigkeitsbilanz hinzugezogen werden. Es stimmt zwar, dass Koffein die Harnproduktion vorantreibt und man dann schneller zur Toilette muss, allerdings ist dieser Effekt eher bei „ungeübten Trinkern“ zu beobachten und hält auch nur sehr kurz an.

Bei „geübten Kaffeetrinkern“, die sich voll und ganz Ihrem Verlangen hingeben, tritt ein gewisser Gewöhnungseffekt ein und die ausgeschiedene Flüssigkeitsmenge unterscheidet sich nicht sonderlich von anderen Getränken, die aufgenommen wurden.